Wie ich loslasse

wie geht loslassen

Nachdem ich letzte Woche festgestellt habe, dass nicht das Loslassen, sondern eben das Festhalten schmerzhaft ist – habe ich mich damit beschäftigt, wie ich das Loslassen besser lernen könnte und an einen Zustand der Durchlässigkeit herankommen.

Dabei ist mir zufälligerweise der passende Satz ganz von selbst über den Weg gelaufen. Scheinbar zufällig, denn wenn ich eines mittlerweile verstanden habe, dann das Resonanzgesetz! Ich muss nur die Augen aufmachen und solche Sätze passieren: Die Energie folgt der Aufmkersamkeit.

Loslassen befreit

Für mich bedeutet das so viel wie: Da wo meine Aufmerksamkeit sich befindet, ist auch meine Energie. Sie ist gebunden an meinen Fokus.
Als ich vor einigen Jahren so in der Bulimie verhangen war, ist ein ständig wiederkehrender Gedanke gewesen: Ich will die Essstörung loslassen.
Dabei habe ich logisch schlussgefolgert: Wenn ich etwas loslasse, entsteht Raum.
Diesen Raum muss ich mit Etwas anderem füllen. So bin ich darauf gekommen, dass die aktive Aufgabe nicht darin bestand, die Bulimie loszulassen, sondern mich neu zu orientieren und meinen gedanklichen, zeitlichen und emotionalen Raum anders füllen zu lernen.

Loslassen bedeutet in diesem Sinne für mich Umorientierung.
Alles, was man in seinem Leben nicht möchte, verschwindet oft automatisch, sobald man sich auf jenes ausrichtet, das man eigentlich will.
Deshalb entstand das gefühlte Paradoxon, dass ich mich etwas (anderem) zuwenden muss, um etwas loszulassen. Das war total erleichternd, denn das bedeutet, dass ich immer etwas aktiv tun kann.

Die Energie folgt der Aufmerksamkeit

Sobald ich nämlich versuche, etwas bewusst loszulassen, richte ich meine Aufmerksamkeit auf eben diese eine Sache, die ich eigentlich loslassen möchte. Geht die dadurch weg? Ganz im Gegenteil … und das habe ich in einer lebenslangen Selbststudie mehr oder minder unfreiwillig sehr viel getestet. Glaube mir oder probiere es einfach selbst aus: Denk mal jetzt bitte nicht an lila Eisbären.
Na, wie lange hat es gedauert, bis dein Kopf ein inneres Bild gezaubert hat?
Das Gehirn kennt das das Wort „nicht“ nicht.

So beschäftige ich mich mittlerweile nicht mehr mit dem Loslassen an sich, sondern lieber mit dem, was ich in meinem Leben manifestieren möchte.
Richte ich meine Aufmerksamkeit nämlich auf das, was ich eigentlich möchte, lässt das Andere – völlig ohne mein Hin-zu-tun – einfach mich los.

Im Nachhinein klingt das alles so logisch, dass ich mich gewundert habe, wieso ich da nicht früher drauf gekommen bin und warum ich das nicht öfter tu: Loslassen. Umorientieren. All diese schlauen Dinge. Trotz unschlagbarer Logik zieht es mich doch oft zum Gewohnten zurück. Trotz allem halte ich mich teilweise sogar lieber an schmerzhaften Geschichten fest, anstatt weiterzuziehen. Müsste die Menschheit nicht durchweg glücklich sein, wenn es doch so einfach ist? Wo kommt der Widerstand her, sich dem Loslassen hinzugeben?
Aus meinem Verständnis heraus entsteht es aus der Angst des Egos vor dem Tod.

Das mysteriöse „Ego“

Ich habe es für mich mittlerweile so definiert: Das Ego ist mein innerer Namens-Geber. Mein Persönlichkeits-Macher. Mein Mein-Sager. Es setzt mich in Beziehung: Zu mir, zu Anderen und zur Welt. Es ist der Ort allen Definierens und Beurteilens.
Hier sind sie zuhause: alle fixen Ideen meines Gehirns. Manchmal auch als Wissen betitelt, wie die Welt so ist und den Vorstellungen darüber, wie sie vor allem zu sein hat.

Jetzt kommts aber: ICH bin das nicht. Ich lebe nämlich auch, wenn ich nicht denke.
Mein Ego weiß das bloß nicht, weil es selbst eben nur mittels Denken existiert. Es bastelt mein „Ich“ schließlich aus diesen Bezügen, die es herstellt: zur Vergangenheit und eventuellen Zukunftsplänen, Freundeskreis, Beruf – eben all dem Blabla in dieser Welt, was einem wieder weggenommen werden kann, weil es eine äußere Form ist. Der Tod des Egos (nicht der Tod meiner Existenz!) ist also das Alleinsein = die Bezugslosigkeit.

Der Widerstand gegenüber dem Loslassen entsteht dementsprechend aus der Angst vor dem Alleinsein – womit nicht primär physisches Alleinsein gemeint ist (aber auch). Sobald ich etwas loslasse, bin ich nämlich „alleiner“ als vorher.
Ganz egal, ob es sich dabei um einen Menschen, eine Erinnerung, einen Gegenstand oder eine Vorstellung von der Welt handelt.

Das Problem: Sobald ich denke so ist es / sollte es sein, und die Welt ist nun mal anders, tut es weh (was fällt der eigentlich ein!). Da Leiden aber nicht mein favorisierter Seinszustand ist, habe ich also überlegt, wie ich mit diesem Protest, den das Ego mir gegenüber meiner Durchlässigkeit bietet, umgehen könnte.

It’s simple but not easy

Ja, ich habe eine äußerst konkrete Antwort gefunden.
Allen Schmerz auf allen Ebenen bewusst willkommen heißen!
Zu allem, einfach ALLEM ein großes JA aussprechen.
Jeder Situation, jeder Emotion, jeder Erfahrung:
Einfach nur JAAA, ich bin DAAA! Komm in meine Arme, Schmerz.
Weil nämlich: Jedes Nein der Außenwelt entlarvt mein eigenes Glaubenssystem.Und immer, wenn es wehtut, weiß ich:
Aha, die Paula klammert sich gerade an einem Gedanken fest.

wie ich loslasse loslassen befreit
Blätter im Herbst: Loslassen geschieht überall.

Anschließend löse ich meine Identifikation damit, indem ich anerkenne, dass Gedanken nicht die Wahrheit, sondern nur Worte sind; mache die eigentliche Realität ausfindig und stelle mich damit Tag für Tag mitten ins Feuer. In das Feuer meines Festhaltens.

Alles, was mir das Leben von sich zeigt, wird seither offenherzig begrüßt:
Her mit den Erfahrungen, vor denen mein Ego sich fürchtet!
Sag mir alles, was mein Verstand nicht hören will, Leben!
Gib mir alles, vor dem ich Angst habe!
… Und naja, das Offen-herzig begrüßen: Das klappt eben mal mehr, mal weniger gut, nüschwahr.

Ich versuche aber zumindest, es jeder Begegnung mit der Welt auf diese Weise zu erlauben, mich näher zu mir selbst zu bringen. Denn je öfter ich auf den Schmerz stoße und das zulasse, desto besser kann ich mich selbst erkennen. Schmerz ist der zuverlässigste Indikator für mich, um herauszufinden, was ich tatsächlich für wahr halte (wahr halte: Was mein Ego sich also alles an Definitionen, Wahnvorstellungen, fixen Ideen, geglaubtes Wissen in der Summe zusammengeschustert hat).

Negative Emotionen als Wegweiser

Begegnungen mit anderen Menschen funktionieren besonders gut, weil ich sehr konkret spüren kann, wann ich mit innerer Ablehnung reagiere.
Und es ist wahnsinnig spannend zu sehen, auf was mein Verstand anspringt: „Du bist hässlich.“
Das tut weh? Aha. Spannend. Warum? Weil ein Teil meiner Identifikation wohl mit meinem Aussehen zusammenhängt. Weil ich mich wohl an meinem Aussehen irgendwie festhalte.
Aber mein Körper wird alt, grau und verwesen. Meinen Körper kann ich nicht nur, sondern WERDE ich verlieren.
Was bleibt, das ich nicht verlieren werde?
Kann ich meine emotionale Identifizierung von allem lösen, was ich verlieren werde?

Du bist NICHTS. Ich trenne mich von dir. Ich sage unser Treffen ab. Veganer sind alle dumm. Du lebst in einer Traumwelt. Ich komme nicht mit dir klar. Mir gefällt dein Charakter nicht. Wir, DIE GANZE Menschheit, haben gemeinsam beschlossen, dass genau DU nicht liebenswert bist…
… in dem Zuge, dass ich spüre, was alles wehtut, kann ich herausfinden, womit mein Verstand sich identifiziert hat. Und wenn ich das loslasse, in dem ich dazu JAAA sage, sehe ich was wirklich IST.
Und so kommt: Jede Situation ist Gott.

Denn das Schöne ist: Ich muss nur morgens aufwachen und beginne schon mit den Projektionen. Alles ist mein Spiegel. Alles, das in mir IRGENDETWAS auslöst, führt mich nachhause. Zum Sein. Zur puren Gegenwärtigkeit.
Jedenfalls … wenn ich es zulasse. Das klingt beängstigend und tut weh. Jedenfalls … rede ich mir das ständig ein, weil ich die Emotionen, die es auslöst, als Schmerz betitele. Allerdings habe ich auch schon mal spüren können: Dieses Gefühl, das ich da als Schmerz betitele, ist meistens vor allem eine Form von krasser Intensität. Eigentlich eine aufregende Sache! So gegenwärtig muss ich in den Momenten nur erstmal sein, das zu bemerken.
Darum … Schmerz, wirklich? Oder einfach nur Intensität? Oder Energie? Oder etwas ganz anderes? Dazu ein schöner Satz, den ich gerne beherzige, wenn es mir (mal wieder) richtig fett schlecht geht:

When we hit our lowest point, we are open to the greatest change (Aang)

Denn je tiefer ich da reingehe, je öfter ich eben nicht kriege, was ich will und genau das vollends annehme und bejahe – desto mehr Schalen kann ich knacken. ( … yey.)
Das sind tausend Tode für mein kleines, verletzliches, ängstliches Ego mit all seinen mannigfaltigen Bedürfnissen … aber es führt mich immer weiter nach innen:
Wenn alles andere weggeht, WAS BLEIBT? Was bleibt übrig von mir?

Ich bin bereit, es weiter herauszufinden!
Es ist nämlich total erleichternd, loszulassen. Die (geglaubte) Kontrolle über das Leben abgeben. Sich zurücklehnen, die kraftraubenden Beurteilungen aus der Welt rauszunehmen – und zu ergründen, wie die Realität dahinter tatsächlich aussieht.

Loslassen zusammengefasst

Zusammengefasst handle ich primär „einfach“ zielorientiert meinen Werten entsprechend, indem ich diese aktiv in die Welt hinaus trage. Im Innen UND Außen richte ich mich ein ums andere Mal ruhig und klar auf das aus, was ich gerne in meinem Leben manifestieren möchte.

Gleichzeitig gebe ich mich so offen wie (mir zu dem Zeitpunkt) möglich allen Menschen und Situationen hin, die mir das Leben anbietet – und lasse auf diese Weise alle fixen Ideen los, wie die Welt auszusehen hat oder das Leben sein soll. Denn sobald das Schmerz auslöst, werde ich mit einem inneren JAAA durchlässig für ihn, weil (und erst wenn) ich bereit bin, ihn auch ehrlich zu fühlen.

So sortiert sich mein Leben schließlich von ganz alleine – und beginnt mir zauberhafterweise in die Hände zu spielen. Ich muss nur noch die Augen aufmachen und dafür wach werden, was es mir denn in der Realität anbietet – und das funktioniert so viel besser, wenn ich nicht mehr kramphaft verbissen nach dem suche, wovon ich denke, dass es mir das Leben jetzt anbieten müsste.

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