Von Wespen, ungehörten Bedürfnissen und Andersdenkenden

BlauWespen1Was tut man, wenn man Unerwünschte nicht loswird?
Man freundet sich damit an.

Zugegeben: Dass sich jedes Jahr aufs Neue eine Wespenfamilie auf meinem Balkon einnistet, macht mich nicht unbedingt glücklich. Wenn im Sommer alle Fenster und Türen geöffnet sind, habe ich in der Regel permanent welche in der Wohnung herumschwirren. Da Wespen nützliche und wichtige Tiere sind (und weil sie einfach Tiere sind …), habe ich mich dennoch immer mit der Koexistenz begnügt.

Den Bedürfnissen lauschen

Doch was wollen die Wespen überhaupt in meiner Wohnung? Ausgerechnet mein Essen, das sie dann auch überall suchen. Nervig! Jedenfalls solange bis ich darauf gekommen bin, das Bedürfnis der Tiere einfach mal ernst zu nehmen, anstatt mich darüber aufzuregen, dass jedes Marmeladenbrot stets mit ungebetenen Besuch einhergeht: Statt also meinen Biomüll wie sonst in einem verschlossenen Eimer auf meinem Balkon zu verstecken, habe ich die Essensreste auf den Deckel gelegt. Und einen Tag später war der Apfelbutzen wie von Zauberhand verschwunden … und die Wespengäste hatten sich trotz offener Fenster drastisch reduziert.

Großartiger Deal! Jetzt bekommen die Wespen Apfelscheiben, und ich habe mein WespisMarmeladenbrot (und meine Wohnung) wieder für mich alleine.
Zum ersten Mal ist unser Miteinander nicht nur geduldet, sondern tatsächlich friedlich für beide Seiten. Fast macht es mich nun sogar ein bisschen glücklich, dass sie da sind … es sind im Grunde wirklich schöne Tiere. Und Teilen macht Spaß, vor allem, wenn es so einfach ist.

Außerdem ist es mir auch ein schönes Bild für andere Situationen, das sich an dieser Stelle wieder mal bewahrheitet hat: Wenn du es nicht »draußen« halten kannst – lass es rein. Ist ja eh schon da. Schwirrt ja eh schon um dich herum. Wenn du dagegen kämpfst, sticht es dich am Ende nur (und wenn du zu dem Zeitpunkt zufällig barfüßig warst, könnte das alle deine Pläne eine ganze Woche lang durcheinander bringen und auch noch am Tanzen hindern … ich mein ja nur. War nur halb lustig. Also eigentlich gar nicht).  Deshalb:

band7

Lass es rein

Frag alle deine Zweifel, worum es ihnen genau geht. Wovor fürchtet sich deine Angst? Was will dir die ständige innere Unruhe über dich erzählen? Was ist – Stand genau jetzt – deine wahre Meinung über dein Leben?

Erst, wenn du lauscht, kann es dir was offenbaren.
Erst, wenn duʼs ernst nimmt, kann es sich verändern.

12a - KopieUnd zwischen-wesentlich gedacht: Die Wespe braucht Verständnis für ihre Bedürfnisse. Der/die Andersdenkende auch.
Seltsam eigentlich, dass mir das mit Wespen offenbar manchmal einfacher fällt als mit Menschen. Oder andere Draufsicht: Wenn ich das mit Wespen schaffe, ist das der Beweis dafür, dass mir das auch mit Andersdenkenden möglich ist.

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