Mein Weg zum externen Abitur – Teil 1

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg – dieses Motto begleitete mich durch die externen Abiturprüfungen. Ich habe mir bewiesen, dass Abi ohne Schule innerhalb eines Jahres nicht nur rein formal möglich, sondern machbar ist. Und weil ich mich noch genau erinnere, wie ich damals das Netz nach motivierenden Erfahrungsberichten durchforstete, möchte ich hier meine Erfahrungen teilen. Um vielleicht genau dir den Mut zu machen, den ich damals gebraucht und mir von einem solchen Bericht erhofft hätte.


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Hier erfährst du, warum ich die Schule überhaupt abgebrochen habe, warum das eine der besten Entscheidungen meines Lebens war und wie ich trotzdem zum Abi kam.
Im zweiten Teil schildere ich meinen Weg zum Abitur und wie ich mich organisiert habe.
Im dritten Teil erzähle ich, wie die schriftlichen und mündlichen Prüfungen abliefen und wie es mir in den verschiedenen Fächern ging.

Von der Schulhasserin zur Alleinlernerin

2009 habe ich das Gymnasium in Baden-Württemberg direkt zu Beginn der 12. Klasse abgebrochen (ich hatte noch einen Zug mit 13 Jahren). Das empfand so ziemlich mein gesamtes Umfeld als: dumm. Wer bricht schon freiwillig die Schule anderthalb Jahre vor der Ziellinie ab?

Darauf gibt es eine sehr einfache Antwort: Jemand, der die Schule hasst. Das System, das Umfeld, die Art zu lernen. Ich fühlte mich eingesperrt und missverstanden. Es erschien mir unfassbar widersinnig, jeden Tag so viele Stunden auf einem Stuhl zu sitzen und vorgefertigte Informationen in mein Hirn zu prügeln, die mich zu der Zeit einen Scheißdreck interessierten. Mir fehlte der Bezug zum eigenen Leben, der Sinn des Ganzen (neben einem Zeugnis als Eintritt in die nächste Mühle) und mir fehlte der offene Lern- und Bildungsprozess. Ich hatte das Gefühl, alle zu lernenden „Erkenntnisse“ waren bereits vorherbestimmt und wir wurden nur auf sehr umständlichen, ineffizienten Wegen dorthin gepusht … und verschwendeten eine Menge Lebenszeit dabei. Das machte mich wütend. Sehr, sehr wütend.

Ja, ich war auch nicht besonders gut. Das lag aber mehr an mangelnder Motivation und nicht unbedingt an generellen Lernproblemen. Mein Zeugnis der elften Klasse hat einen glatten Schnitt von 3,0. In zwei Fächern habe ich eine Fünf zu verzeichnen und insgesamt vier Vieren. Darüber hinaus bin ich ein lebendes Klischee: In Mathe und Naturwissenschaften absolut schlecht, in den Sprachen gut (außer Französisch, da führte ich eine bittere Fehde gegen die Lehrerin – aber das ist eine andere Geschichte). Das einzige, was ich in mathematischer Hinsicht zustande brachten, war Kalorien ausrechnen und Statistiken über mein Essverhalten führen. Magersüchtiges und bulimisches Verhalten waren mir zu dieser Zeit notwendige Begleiter, um mich abzugrenzen, zu rebellieren, zu kompensieren und mir selbst noch eine andere Identität zu kreieren als nur die der Schülerin und Außenseiterin, die das Schulsystem hasst.

Bücher schreiben und mehrdimensionales Lernen

Als es gefühlt „einfach nicht mehr ging“ habe ich also zu Beginn der 12. Klasse das Gymnasium abgebrochen, um Schriftstellerin zu werden. Kompromisslos und entschlossen. Ich suchte mir Nebenjobs und schrieb. Und schrieb. Und schrieb. Und war schlecht darin.

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Lernen kann so viel mehr sein, als nur über Texten und Formeln zu brüten.

Erst mit der Zeit begriff ich, wie sehr die Schule nicht nur die Lust am Lernen genommen hatte, sondern dass ich diese Verb auch sehr sehr beschränkt definierte. Erst nach dem ersten (schrottigen) Romanentwurf wurde mir klar, dass auch Bücherschreiben eine Form von Handwerk ist, die ich erlernen konnte, wenn ich mich nur informierte. Und dass Lernen mehrdimensional ist, Spaß machen und überall stattfinden kann. Dass diese Fähigkeit, sich Neues wortwörtlich aneignen zu können, also meinem Wesen „zu eigen machen“ die vielleicht wichtigste Fähigkeit überhaupt ist. Die, die das Leben auch so spannend macht – weil die eigene Entwicklung so niemals aufhört, wenn ich das nicht möchte. Außerdem habe ich geblickt, dass ich nicht nur kognitiv lernen kann, sondern auch noch ganz andere Formen von Intelligenzen (körperlich, sozial oder emotional zum Beispiel) besitze, die ich erforschen und vertiefen kann.

Abitur extern nachholen

Auf die Idee, das Abitur nachzuholen, kam ich dann auch genau deswegen: Ich entwickelte mich solange weiter, bis ich an dem Punkt war, dass ich Soziale Arbeit studieren wollte und recherchierte, auf welchen Wegen das möglich war. Und bei dieser Recherche im August 2017 bemerkte ich zum ersten Mal, dass man das Abitur in Baden-Württemberg per Schulfremdenprüfung nachholen kann. Mir wurde bewusst, dass es so etwas wie eine Externenprüfung gibt, bei dem man sich „einfach nur“ zur Prüfung anmeldet und ein paar mündliche Prüfungen mehr hat – aber eben nicht zur Schule muss, wenn man das nicht will. Genau mein Ding!

Denn ich bin von meiner Persönlichkeit her sehr freiheitsliebend, am liebsten autodidaktisch unterwegs und organisiere mich selbst. »Learning by doing« ist meine liebste Form des Lernens (was auch nicht immer und überall der effizienteste Weg ist. Aber eben mir am meisten Spaß macht). Insofern war für mich persönlich der externe Weg zum Abitur der genau richtige.

Vorbereiten auf die Externenprüfung

Gefühlte fünf Minuten später, ohne allzu intensiv darüber nachzudenken, habe ich mich also zu den Abi-Prüfungen 2018 angemeldet. Prüfungen, die im April, also zehn Monate später beginnen sollten. Die Anmeldung abzugeben, war kein Problem. Ich musste nur eine Frist einhalten (damals 1.Oktober) und ein paar Formalien ausfüllen. Es gab aber keine weitere formale Hürde, um zur Externenprüfung zugelassen zu werden – was mich richtig glücklich machte. Zum Zeitpunkt meiner Anmeldung war also gerade August, ich war 25 Jahre alt, ganze 8 Jahre aus der Schule raus und arbeitete in Teilzeit (was ich auch während des Abiturs tat). Das Abitur in so kurzer Zeit mit einem einigermaßen guten Schnitt zu schaffen, erschien nicht nur mir, sondern auch dem Großteil meines Umfeldes utopisch. Aber hey: Wo ein Wille ist, ist zum Glück ja auch ein Weg. Das redete ich mir zumindest fleißigst ein – um meinen Traum zu verwirklichen und an der Hochschule Esslingen Soziale Arbeit studieren zu können, würde ich nämlich sogar einen Schnitt von 1,8 benötigen …

Wie ich für meinen Traumschnitt gekämpft habe und ob ich ihn erreichte, erfährst du in Teil 2: Mein Weg zum externen Abitur.

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