Mein Weg zum externen Abitur – Teil 2

Mein externes Abitur

Abitur im Alleingang – und das innerhalb eines Jahres. Du willst wissen, wie ich das gemacht habe? In Teil 1 erfährst du, wie ich überhaupt dazu kam. Und in Teil 3 erkläre ich detailliert, wie die Prüfungen abliefen. Jetzt erzähle ich dir, wie ich mich auf die externen Abiturprüfungen in Baden-Württemberg vorbereitete. Schon mal so viel in aller Kürze: Es war ein Marathon. Einer, der durchaus von Erfolgen, aber auch ʼner Menge Pausen, Resignation, Heulanfällen und Ich-töte-gleich-alle geprägt war.


Nie wieder Schule, trotzdem Abitur

Sommer 2017 – ich entschließe mich kurzerhand, das Abi nachzuholen und habe genau 10 Monate Zeit bis zur ersten schriftlichen Prüfung. Ich kam mir vor wie Frodo, der sich dazu bereiterklärt, den Ring nach Mordor zu tragen: Kein Plan, wie das bitteschön klappen soll, mein letzter Besuch des Gymnasiums lag 8 Jahre zurück … Was für ein Abenteuer: gefühlt absolut unmöglich und gerade deshalb so attraktiv. Aber what the fuck, why not? YOLOOO … oooohgottbistdubescheuert?!? (So in etwa fühlte ich mich).

Auf stupiden Kram auswendig lernen hatte ich in diesem Moment zwar noch genauso wenig Lust wie noch 8 Jahre zuvor, aber die Tatsache, dass ich es selbst machen und mich beweisen durfte, motivierte mich so sehr, dass ich das in Kauf nahm.

Fächer für die Prüfung wählen

Gesagt, getan. Schwupp, war ich angemeldet und wusste, weil ich sonst eben so gar nichts wusste: Ich brauche einen Plan! Denn wie sollte ich mich vorbereiten, wenn mir gar nicht klar war, worauf genau? Und das ist im Nachhinein wirklich der entscheidende Knackpunkt gewesen: Dass ich regelmäßig kontrollierte, ob meine Lerninhalte sich exakt mit den Prüfungsinhalten deckten.

In diesen Fächern legte ich Abi-Prüfungen ab.

Da ich bei einer Nichtschülerprüfung natürlich vorher keine Klausuren schrieb, die mit in die Abiturnote hinein zählen, musste ich insgesamt 4 schriftliche Prüfungen schreiben und 8 mündliche Prüfungen von jeweils 20 Minuten ablegen, davon eine Präsentationsprüfung.

Die schriftlichen Fächer, die zusätzlich mündlich abgeprüft wurden, waren vorgeben und entsprachen vom Niveau her den vierstündigen Leistungskursen. Das waren die Fächer Deutsch, Mathe, Englisch und Geschichte. Bei den Nebenfächern, die nur mündlich geprüft wurden, hatte ich begrenzt Spielraum: Ich musste sowohl noch eine Fremdsprache wie auch eine Naturwissenschaft dazu wählen und entschied mich für Biologie, Erdkunde, Latein und Gemeinschaftskunde. Da ich genau null Ahnung von Latein hatte – und nach einer Woche lernen bereits ahnte, dass ich auch bei der Prüfung kaum mehr davon haben würde –, entschloss ich mich rasch, dort meine Präsentationsprüfung abzulegen. Der Vorteil dabei ist, dass ich die Hälfte der Prüfung selbst vorbereiten kann anstatt eine Aufgabe vorgelegt zu bekommen.

Genau wissen, was in den Prüfungen drankommt

Um mich auf Punkt vorzubereiten, investierte ich viel Zeit, um herauszufinden, was bei der Abiturprüfung in den einzelnen Fächern drankommen würde. Zusammengefasst: Ich musste die Inhalte des gesamten Lehrplans für die Oberstufe draufhaben (nicht vergessen zu googeln: Es gibt für jeden Jahrgang einen Schwerpunktthemen Erlass). Das Allerwichtigste hierbei: In Anbetracht dieser Tatsache nicht verrückt werden. Etwas, woran ich mich immer und immer wieder erinnern musste – und zwischendrin auch öfter mal verrückt geworden bin. Das Gute: Du musst nicht alles zum gleichen Zeitpunkt draufhaben! Bei mir jedenfalls fanden die schriftlichen Abiprüfungen innerhalb von drei Wochen statt, danach war aber erst mal knapp acht Wochen Pause, bevor die mündlichen Prüfungen (und damit alle vier Nebenfächer) drankamen. Mit den Nebenfächern befasste ich mich darum in den ersten Monaten nur sehr wenig, um dann in acht Wochen eine Meeeeenge Shit auswendig zu lernen. Teilweise sehr coolen Shit. Und teilweise einfach nur übertrieben viel Zeug, das man echt nicht auswendig wissen muss (zumindest, wenn man nicht gerade Biologie studieren oder Politiker*in werden will).

Strukturieren geht über studieren

Meine Vorbereitung umfasste auch das Beschaffen der nötigen Materialien und ner Meeeeenge bunter Stifte – für mehr Spaß beim Lernen.

Darum: Fast noch wichtiger als zu wissen, was drankommt, ist zu wissen, wann du dich mit welchen Inhalten beschäftigst und vor allem wie viel Zeit du in sie investierst. Im Endeffekt war das externe Abi vor allem eine große Organisationsaufgabe, bei der es den Überblick zu behalten galt. Ein Abitur im Alleingang würde ich darum vermutlich nur Menschen empfehlen, die nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Aufgaben gerne eigenständig strukturieren. Denn als wäre es nicht schon kompliziert genug, bei acht verschiedenen Fächern mit unterschiedlichen Leistungsanforderungen den Überblick zu behalten, hat jedes Fach verschiedene Aufgabenfelder und Inhalte, die es auch noch zu sortieren gilt. Zum Beispiel muss man wissen, was die Prüfer*innen bei der expliziten Aufforderung „Erörtere“ hören wollen, zum Beispiel im Vergleich zu „Bewerte“. Und auch Mathe umfasst beispielsweise nicht nur „Mathe lernen“, sondern unterteilt sich in Stochastik, Analysis, analytische Geometrie, Wahlteil-Aufgaben, Pflichtteil-Aufgaben … AAH, lass mich einfach in Ruhe!!! Ja, also – zwischendrin mal Nerven verlieren ist erlaubt, aber dauerhaftes Kopfchaos wäre wahrscheinlich nicht sehr zielführend. Tatsächlich beschlich mich öfter das Gefühl, ich verbringe mehr Zeit mit dem Strukturieren der Inhalte als dem Lernen selbiger.

Dreiklang der Informationsquellen

externes abitur
Konzentriertes Lernen. Immer und immer wieder.

… Was leider nicht heißt, dass ich wenig gelernt habe. Sondern nur, dass ich viel strukturiert habe. Insgesamt hatte ich drei Quellen, um meine Lernrichtung immer wieder abzugleichen: Zum einen lernte ich mit alten Abituraufgaben (Internet und Bücher) und studierte so genau wie möglich die Aufgabenarten eines jeden Faches. Zum anderen meldete ich mich beim Lernzentrum Killesberg an und belegte einen Online-Kurs zum Abitur in Baden-Württemberg. Drittens machte im selben Jahr die Tochter einer Arbeitskollegin Abitur, die mit mir viele Informationen zum Fach Deutsch teilte. Der Dreiklang dieser Quellen hat mir letztlich ermöglicht, mir ein recht genaues Bild über die Aufgabenstellungen in dem Abiturprüfungen zu machen.

Der große Vorteil beim Lernzentrum Killesberg war, dass ich Klausuren einreichen konnte, die von Lehrer*innen korrigiert wurden. Das waren wertvolle Anhaltspunkte. Wäre ich dort nicht angemeldet gewesen, hätte ich es vermutlich nicht geschafft, weil mir einige Infos gefehlt hätten und ich keinen Abgleich gehabt hätte, ob ich in die richtige Richtung lerne. Nur vom Preis-Leistungsverhältnis war ich leider etwas enttäuscht, weil ich den Kurs doch als recht teuer empfand, die Korrekturen öfter länger auf sich warten ließen und manche auch gar nicht mehr rechtzeitig vor den Prüfungen fertig wurden. Auch fand ich in den Matheaufgaben teilweise Fehler bei den Ergebnissen und hatte gerade im Fach Deutsch vor der Prüfung immer noch kein wirklich gutes Bild davon, ob meine Vorgehensweise wirklich richtig ist. Hier rettete mich die Tochter der Arbeitskollegin, die mir ihre korrigierten Arbeiten zur Verfügung stellte – ohne sie hätte ich definitiv keine 12 Punkte schreiben können. Doch auch die Lehrer*innen des Lernzentrum Killesberg waren im Gesamten auf jeden Fall sehr bemüht und begleiteten mich kompetent durch diese stressige Zeit.

Know Your Methods

Auch wenn ich nur wenige Monate Zeit hatte, war meine Vorbereitung streckenweise ein kleines Chaos. Ich hatte eine riesige Übersicht erstellt, wann ich was in welcher Zeit lernen muss, um mit dem Stoff bis zur Schulfremdenprüfung überhaupt fertig zu werden. Natürlich brauchte ich dann aber für manche Themen länger als gedacht und bei anderen verlor ich mich in Details und lernte Unnötiges – und manchmal gab ich auch die Hoffnung auf und lernte einfach gar nicht. Es erleichterte mich, als ich begriff, dass in den vier Hauptfächern wirklich deutlich mehr Leistung abgefragt wird als in den Nebenfächern. Während in Mathe, Englisch, Deutsch und Geschichte alle drei Anforderungsbereiche verlangt wurden (es reichte nicht, nur auswendig Gelerntes hinzuschreiben, sondern auch Transferleistungen und Beurteilungen waren gefragt), reichte es in den Nebenfächern, alles auswendig zu lernen und ein paar Zusammenhänge herzustellen. Wer nach der Vorbereitung für die Hauptfächer also denkt: „Das packe ich nicht noch mal“, keine Sorge – musst du auch nicht.

Externes Abitur Lererntechniken
Mind-Maps über Mind-Maps: Nur mit gezielten Lerntechniken lässt sich der komplette Abistoff im Hirn abspeichern.

Ich beschäftigte mich auch mit Lernmethoden und insbesondere Mnemotechniken. Beim Auswendiglernen arbeitete ich immer mit „Stories“ und Eselsbrücken, ich wiederholte regelmäßig und sagte Inhalte frei auf (Reines Re-reading ist verschwendete Lebenszeit), sowie lernte mithilfe von Pomodoros und versuchte generell so strategisch wie möglich vorzugehen.

Aufstehen, Krone richten, weitergehen

Bereits vor meiner Abi-Challenge arbeitete ich in zwei Jobs in Teilzeit, sodass ich auf insgesamt 20 Wochenstunden kam. Das hat auch während der Vorbereitung fürs Abi für mich gut funktioniert – irgendwie musste ich die ganzen Bücher und vor allem das Katzenfutter (!!) ja auch finanzieren. Ich habe für die heiße Abi-Phase allerdings auch meinen Jahresurlaub aufgebraucht, habe also nicht die ganze Zeit durchgearbeitet. Im Nachhinein war das sehr entlastend – denn während den schriftlichen und mündlichen Prüfungen lagen meine Nerven blank und ich war froh, mich nicht noch zusätzlich mit etwas anderem auseinandersetzen zu müssen als: Prüfungen, Prüfungen, Prüfungen. Immerhin hatte ich mir vorgenommen, einen Schnitt von 1,6 zu schaffen (da ich in etwa 1,8 als NC für den Studiengang Soziale Arbeit in Esslingen brauchte).

Die Abiprüfungen fanden dann zusammen mit zwei anderen Mädels an einem Gymnasium in Stuttgart statt. Wir schrieben die „ganz normalen“ Abiklausuren gemeinsam mit den Abituriennt*innen des Gymnasiums mit. Die Lehrer waren alle sehr nett und unterstützten uns, indem sie uns auch über die mündlichen Prüfungen informierten und uns teilweise Hilfestellungen gaben, worauf wir uns speziell vorbereiten sollen. Nach den schriftlichen Prüfungen wartete ich gefühlt ewig auf die Ergebnisse (weil ich Dödeline sie mir habe zuschicken lassen anstatt sie persönlich abzuholen, fail!). Sie kamen einen Tag vor den mündlichen Prüfungen … und fielen allesamt schlechter aus als ich erwartet und mir erhofft hatte.

Punkte im schriftlichen Abitur

externes abitur baden-württemberg zeugnis

In Deutsch war ich sehr selbstbewusst aus der Prüfung gegangen – mit dem Gefühl, dass ich nicht besser hätte abliefern können als ich eben hatte. Doch ich schaffte „nur“ 12 Punkte, was mich ärgerte, weil ich auch wusste, dass Deutsch mein stärkstes Fach ist. Auch Mathe mit traurigen 4 Punkten enttäuschte mich zutiefst, weil in dieses Fach wirklich mit Abstand die allermeiste Zeit und Mühe investiert hatte. In Englisch schrieb ich 9 Punkte und in Geschichte nur 6 und damit war die Enttäuschung komplett! Ein Teil von mir hatte schon alle Lust verloren, überhaupt noch zu den mündlichen Prüfungen anzutreten …

Ob meine Noten reichen werden, um an der HS Esslingen zu studieren?

Aber aufgegeben wird nicht! Never, never, neeveeer! Und so heulte ich eine halbe Stunde lang hingebungsvoll, richtete mein Krönchen und lernte weiter. Denn die mündlichen Prüfungen fanden geballt statt: 2 pro Tag an 2 Tagen (Hauptfächer), dann eine Woche Pause und noch mal 2×2 Prüfungen (Nebenfächer).

Bevor ich dir in Teil 3 erzähle, wie es mir bei den Prüfungen in den einzelnen Fächern ging, hier noch so viel: Die mündlichen Prüfungen liefen allesamt viel viel besser als die schriftlichen. Zum Glück. Denn der benötigte 1,8er Schnitt fürs Traumstudium war jetzt natürlich in weite Ferne gerückt.

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