Mein Weg zum externen Abitur – Teil 3

Externes Abitur Erfahrung

Das Abitur selbständig nachzuholen, war eine meiner krassesten Herausforderungen. In Teil 1 kannst du nachlesen, wie es dazu kam und in Teil 2 welche Erfahrungen ich auf dem Weg sammelte und wie ich lernte. Nun möchte ich berichten, wie ich mich in den einzelnen Fächern auf die Abiturprüfung vorbereitet habe. Beachte dabei: Meine Erfahrungen basieren auf der Externenprüfung in Baden-Württemberg. In anderen Bundesländern könnte manches anders geregelt sein.


Externes Abitur Hauptfächer
Das sind meine vier Hauptfächer

Nur weil ich am liebsten autodidaktisch lerne, heißt das im Übrigen nicht, dass ich eine besonders schnelle Lernerin bin. Ich brauchte viel Zeit und Wiederholungen, um mir Stoff anzueignen. In manchen Fächern war ich deutlich stärker als in anderen, und im Nachhinein hätte ich gerne mehr darauf geachtet, mich beim Lernen auch vermehrt auf meine starken Fächer zu konzentrieren, als zu viel Zeit in meine schwächeren Fächer zu investieren (um dort unter viel größerer Anstrengung ein klein wenig besser zu werden). Das beste Beispiel dafür ist bei mir: Mathe. Mein ehemaliges Hassfach Nummer eins, das zu meinem Lieblingsfach wurde. Warum der Aufwand sich leider eben trotzdem nicht ganz lohnte:

externes Abitur Mathe

Meine Erfahrungen im Fach Mathe

Als ich 11 Monate vor der Mathe-Abiprüfung mit Lernen begann, war ich inhaltlich auf schlechtem Realschulniveau. Lineare Gleichungen auflösen funktionierte noch, dafür hatte ich keinen Plan mehr von Wahrscheinlichkeitsrechnung oder Kurvendiskussion. Meine Mathenote der 11. Klasse war 2009 ein „Ausreichend“. 2017 hatte ich mit Mathe darum alle Hände voll zu tun, es war auch das Fach vor dem ich – neben Latein – am meisten Angst hatte. Diese Angst verleitete mich zum Glück nicht dazu, das Lernen aufzuschieben – denn dann hätte ich im Nachhinein betrachtete den Stoff bis zur Abiprüfung nicht mehr durchbekommen. In keinem anderen Fach hatte ich einen so großen Lernfortschritt … aber nirgendwo sonst benötigte dieser auch so viel Zeit. Und zu meinem eigenen Erstaunen verliebte ich mich bei all der gemeinsam verbrachten Zeit in die mathematische Sprache.

Meine zwei Mathe-Bücher fürs externe Abitur.
Meine zwei Mathe-Bücher fürs externe Abitur – alles drin, was man wissen muss.

Gerettet haben mich YouTube-Kanäle wie der von Daniel Jung oder „the simple club“, außerdem die großartigen Bücher „Erfolg im Mathe-Abi“. Da ist alles drin, was drankommt, mit alten Abituraufgaben, Lösungen und sogar „Mathe-Grammatik“, also kompakten Anleitungen wie der ganze Zahlen- und Buchstabensalat funktioniert.

So wurdeMathe auch das Fach, bei dem ich letztlich am besten wusste, was genau drankommen wird, und zu dem es im Internet mit Abstand am meisten Lernquellen gibt.

Wie man eine Funktion auf der Achse bewegt – so beschriftet, dass auch Janina es versteht.

Ich verbrachte sehr viel Zeit damit, die Grundlagen wirklich zu durchdringen. Deshalb schlug ich mich auch den Großteil der Zeit mit dem „Pflichtteil“ der Mathe-Abiprüfung herum. Das ist der Teil ohne Taschenrechner und Hilfsmittel. Denn während man im Wahlteil das Grundlagenwissen anwenden und transferieren muss, beweist man Pflichtteil, dass man es überhaupt kann.

… Und irgendwann war auch ich soweit, nach wochenlangem Üben (das ist wirklich leider der Trick schlechthin – den Kram nicht nur kapieren, sondern solange üben, bis man nachts von Zahlen und Variablen träumt), konnte ich ableiten, aufleiten, Wendepunkte und Steigungen bestimmen, Abstände und Punkte und Ebenen berechnen und wusste, was die Binomialverteilung oder ein Integral ist. Lernte Pfad- und Kettenregeln und lauter anderen Schmu, an den ich mich – 3 Jahre später – kaum mehr erinnere (traurig eigentlich). Und so trat ich zur schriftlichen Prüfung an, überkrass vorbereitet, eine vor Nervosität schwitzende, aber auch stolze Kriegerin, die sich durch diesen Dschungel der Funktionen gekämpft hatte und … kackte völlig ab.
Weil.
Erstens: Zeitdruck. Als wäre es nicht schon kompliziert genug, diese Aufgaben zu lösen, muss man das bei der Abiturprüfung auch noch unter Stress tun. Wenn man da nicht schnell denken kann – keine Chance.
Zweitens: Pflichtteil yey – Wahlteil oh je. Trotz intensivem Mathe-Sprache-Studiums war ich nicht wirklich imstande, diese Sprache flüssig zu sprechen.

Ich schrieb schlappe 4 Punkte … für die ich mich monatelang durch Baumdiagramme und Stammfunktionen gekämpft hatte. Ich war ziemlich wütend und traurig. Aber hier der Clou: Bei der Schulfremdenprüfung musst du dich in allen schriftlichen Fächer auch noch mal mündlich beweisen. Du bekommst Aufgaben, hast eine halbe Stunde Zeit, sie alleine zu lösen und präsentierst deine Lösung den Prüfer*innen, die dich anschließend noch ein bisschen löchern. Diese mündlichen Prüfungen retteten mich. Denn zumindest mir fiel „Mathe reden“ deutlich einfacher als „Mathe anwenden“.

Mündliches Mathe-Abi

Ich durfte in der mündlichen Mathe-Abiprüfung mithilfe von vorgegebenen Punkten eine Geradengleichung aufstellen, die Lage einer windschiefer Geraden ausrechnen und eine Ebenengleichung aufstellen. Im Gespräch wurde ich noch etwas allgemeiner über Geraden und Ebenen ausgefragt – viele Basics, kein Problem. Wichtig: Die Vokabeln können! In der mündlichen Prüfung kommt es weniger darauf an, den Kram ausrechnen zu können, als vielmehr zu erklären, was das alles ist und was man damit macht, um etwas auszurechnen. Dazu muss man natürlich wissen, wie die Fachbegriffe lauten und sich entsprechend ausdrücken können. Hilfreich ist es, schon bei der Vorbereitung zum Abi ab und zu laut mitzusprechen, wie man vorgeht.

externes Abitur Erfahrungsbericht Erfahrung
Meine Redetipps für die mündliche Mathe-Prüfung des externen Abiturs.

Nach den Geraden ging es noch um das Spiegeln der e‑Funktion sowie darum, zu erklären, wie man Funktionen auf den Achsen „bewegen“ kann. Auch sollte ich die Produktregel erklären. Zum Schluss sollte ich ein „uneigentliches Integral“ berechnen, mit einer Variablen als Grenze.

Mein Mathe‑Vokabelwissen geleitete mich elegant durch die 20 Schreckensminuten. Und diesmal ging ich erhobenen Hauptes aus der Prüfung – ich hatte mir ganze 12 Punkte geholt!

Mein Mathe-Abi Fazit

Aus meiner Perspektive wird in Mathe im Vergleich zu den anderen Fächern unverhältnismäßig viel Stoff abgefragt. Dieser Eindruck könnte aber auch damit zusammenhängen, dass ich da vorher eine Niete drin war, und alles noch mal von Anfang an lernen musste. Für Menschen, die sowieso mit Mathe auf einer Wellenlänge sind, ist das externe Abitur großartig – in keinem anderen Fach ist das erforderliche Wissen so gut strukturiert und einfach zugänglich. Man erfährt exakt, was auf einem zukommt.

Für diejenigen, die wie ich sehr viel Zeit und Grips investieren müssen, um sich die nüchterne Sprache der Logik anzueignen, ist es empfehlenswert, sich nicht zu sehr darin zu verlieren, sondern seine Energie in gleichem Maße auch anderen Fächern zu schenken.

Die Aufgaben der mündlichen Prüfung sind an den Grundlagen orientiert und es war deutlich einfacher für mich als Nicht-Mathe-Crack hier Punkte zu holen – als auf Biegen und Brechen zu versuchen, in der schriftlichen Prüfung bei den Anwendungsfällen gut abzuschneiden.

externes Abitur Deutsch

Meine Erfahrungen im Fach Deutsch

Deutsch war, wie von einer Autorin zu erwarten, mein stärkstes Fach. Das Gute, wenn man sich nur auf die schriftliche Abi-Prüfung vorbereitet: 2018 konnte man entscheiden, ob man eine Erörterung schreibt, ein Gedicht analysiert (bzw. einen Vergleich anstellt), eine Kurzgeschichte interpretiert oder den Werksvergleich macht. Wer sich gezielt vorbereitet, sucht sich schon vorher die favorisierte Aufgabenstellung raus.

Da mir von mehreren Seiten empfohlen wurde, den Werksvergleich zu machen, bereitete ich mich eigentlich nur darauf vor. Das ersparte mir eine Menge Arbeit, die ich später in light Variante für die mündliche Prüfung nachholte: Literaturepochen lernen, Dichter und bedeutende Literaten studieren, Merkmale für die Interpretation von Kurzgeschichten und Gedichtanalysen lernen. Da all dies vor allem mit Auswendiglernen zu tun hatte, ergab es auch wenig Sinn, das schon viele Monate vorher zu tun, nur damit man es bis zur mündlichen Prüfung wieder vergessen hat. Kafka, Textgattungen und Vormärz ersparte ich mir und konzentrierte mich stattdessen auf den Aufbau eines Werksvergleichs, während ich mir Homo Faber, Dantons Tod und Agnes als Lektüre reinzog.

Erst die Aufschriebe der Tochter einer Arbeitskollegin ermöglichten es mir jedoch wirklich nachzuvollziehen, wie so ein Werksvergleich aussehen sollte. Tatsächlich sollte man die drei Bücher für das schriftliche Abitur auch wirklich gut kennen, um zu punkten. Das muss man sich immerhin nicht alles selbst erarbeiten, denn es existiert viel entsprechende Literatur, welche die zu behandelnden Werke bereits analysiert und bespricht. Das alles klappte ganz gut, ich schrieb 12 Punkte.

Wahllektüre für meine mündliche Abi-Prüfung im Fach Deutsch.

Da wir beim externen Abitur dazu verdonnert sind, in den Leistungskursen schriftlich und mündlich abzuprüfen, kam die deutliche Mehrarbeit im Fach Deutsch erst noch auf mich zu. Für die mündliche Schulfremdenprüfung „durfte“ ich noch 3 weitere Werke lesen, die ich mir von einer Liste aussuchen konnte. Ich entschied mich für Demian, Steppenwolf und Corpus Delicti, weil ich die alle glücklicherweise sowieso schon kannte. Doch auch diese Lektüre wollte intensiv vorbereitet sein, denn in der mündlichen Prüfung konnte mit diesen Büchern noch einmal ein Werksvergleich drankommen.

Mündliches Deutsch-Abi

In der Vorbereitungszeit hatte ich 30 Minuten Zeit, um die Kurzgeschichte „Heimkehr“ von Kafka zu interpretieren. In der Prüfung selbst zogen mich die Prüferinnen einmal quer durch alle Themen der Oberstufe: Ich stellte meine Interpretation der Kurzgeschichte vor, erzählte dann etwas über Kafka, sollte ad hoc eine Strophe des Gedichts „Abschied“ von Joseph Eichendorff analysieren, sie einer Literaturepoche zuordnen und diese charakterisieren, etwas zum Aufbau von Steppenwolf und die Hauptfigur Harry Haller erzählen sowie zum Vater-Komplex der Figur Sabeth aus Homo Faber, Besonderheiten im Werk Corpus Delicti erklären … wie viel kann eigentlich in 20 Minuten Prüfung drankommen!?!? Wiederum sammelte ich mir wie bereits im schriftlichen Deutsch-Abi 12 Punkte. Damit war ich … okay.

Mein Deutsch-Abi Fazit

Lerne für die schriftliche Prüfung sehr gezielt für die Aufgabenstellung, die du dir vorher schon aussuchst. Mit meinem Werksvergleich war ich zufrieden und hatte das Gefühl, dass ich mich gut darauf vorbereiten kann, weil im Netz und in entsprechender Lektüre ausreichend Informationen verfügbar sind.

Für die mündliche Prüfung genügend Kapazitäten zur Vorbereitung einplanen: Wer hier viele Punkte sammeln will, braucht schon einen ordentlichen Grundstock an Wissen über Epochen, Autoren und Literatur sowie entsprechende Techniken zur Analyse von Texten. Nichts, was sich nicht vorher gut erarbeiten ließe. Wer keine Leseratte ist, dem rate ich an, wirklich früh mit dem Lesen und Erarbeiten zu beginnen.

Meine Erfahrungen im Fach Geschichte

Geschichte – das Fach des endlosen Auswendiglernens. Ja, ist schon so. Jedenfalls, wenn man (wie ich) mit 17 Jahren lieber die Lehrer terrorisierte, anstatt im Unterricht aufzupassen … und deshalb deutlich weniger Allgemeinwissen besitzt, als in der 11. Klasse des Gymnasiums vielleicht angebracht wäre. Da hatte ich mit 25 Jahren einiges aufzuholen. Die Herausforderung war auch in Geschichte wieder, genau herauszufühlen, welche Fakten und Daten man tatsächlich auswendig zu Papier bringen musste und wo es reichte, einen groben Überblick zu haben. Aus nachträglicher Sicht habe ich da öfter an den falschen Stellen gelernt und zu viel Zeit mit Jahreszahlen und Details verbracht. Ja, es ist eine Menge Zahlenwissen, aber ja, es ist eine mindestens gleichgroße Menge Transferleistung, die in den Prüfungen erbracht werden soll. Es geht eben nicht nur darum, alles auswendig zu wissen, sondern es auch sinnhaft und reflektiert einordnen und miteinander in Vergleich setzen zu können (und ja, dazu muss man den ganzen Scheiß erst mal auswendig können).

Geschichte = ne Menge Stoff. Ich habe viele, viele Seiten Historie zusammengefasst.

Zudem hatte ich leider öfter das Gefühl, es gibt bereits eine „vorgefertigte“ Interpretation / Beurteilung eines geschichtlichen Abschnittes. Es ging – leider – gar nicht so sehr darum, dass ich selbst lerne, reflektiert mit der Vergangenheit umzugehen, sondern es ging oft darum, die „kollektive Art und Weise, wie etwas eingeordnet und bewertet wird“ zusätzlich zum Faktenwissen auch noch auswendig zu wissen und an der richtigen Stelle, im richtigen Kontext wiederzukäuen. Das möchte ich gerne kritisieren, weil mir das öfter unangenehm auffiel. Bei Fragestellungen wie „Erörtern Sie dies“ oder „Beurteilen Sie jenes“ gibt es eine „richtige“ Art und Weise genau dies zu tun. Deshalb war es mir hier auch besonders hilfreich, das Lernzentrum Killesberg an meiner Seite zu wissen – denn in der Vorbereitung für das Abi in Geschichte retteten mich die korrigierten Übungsklausuren, durch die ich ein Gefühl für „Das, was die im Abi von mir hören wollen“ bekam. So gut geklappt hat das leider trotzdem nicht: Schriftlich schnitt ich nur mit 6 traurigen Punkten ab (hätte wohl noch mehr Mathe‑Zeit lieber in Geschichte investieren sollen …).

Mündliches Geschichte-Abi

In der mündlichen Abiprüfung drehte es sich dann wieder darum, so viele Themenbereiche wie möglich abzuprüfen – theoretisch. Praktisch drehte sich vor allem um die Nazis. Da der ganze, salopp gesagt, Hitler‑Kram in der schriftlichen Prüfung bereits drankam, habe ich für die mündliche Prüfung vor allem die anderen Inhalte des Lehrplans noch mal genauer studiert; also Weimarer Republik, Französische Revolution, alles dazwischen und ab 1949 aufwärts.

In der halbstündigen Alleinarbeit durfte ich erst mal eine Karikatur zur Außenpolitik von Wilhelm II. analysieren (alle Europamächte sitzen gemeinsam im Ruderboot, nur Willi steht auf und hampelt herum). Nach meiner Präsentation der Ergebnisse kamen Fragen zum Versailler Vertrag, und dann: zur NSDAP und Entnazifi…dings-Methoden, und zwar konkret: VOR Gründung der BRD. Das erwischte mich kalt. Während ich darauf eingestellt war, über Napoleon, Bismarck, Friedrich Ebert, Robespierre oder die Entstehung der Weimarer Republik zu reden, den Verlauf des ersten Weltkrieges oder des Kalten Kriegs runterzuratten – ging es wieder nur um die Nazis. Und das hat mich so spontan verwirrt (und zugegebenermaßen auch empört), dass ich an der Stelle Punkte bei Pipifax vergeudet habe: Was waren die Ziele der Partei? Welche Schritte hat sie gegen die Juden unternommen? Basics, die ich schlafend aufsagen konnte, aber in meinem spontanen Verwirrungsblackout verpatzte. Ja, Nazi‑Geschichte ist wichtig – aber können wir zwischendurch auch mal über was anderes reden, bitte? Vor allem, wenn ich tausend Stunden damit verbracht habe, mir auch den ganzen Rest mühsam zu erarbeiten, heul. Aber gut. Also eben nur 10 Punkte mündlich.

Kannst du zu all diesen Daten und Ereignissen etwas erzählen?

Lade dir meine folgende Übersicht gerne runter (und vergrößere und entziffere sie, hust …), damit gewinnst du einen ersten guten Überblick über die Themenbreite. Und Überblick ist alles.

Mein Geschichte-Abi Fazit

Inhaltlich ist Geschichte mit kilometerweitem Abstand zu den anderen Fächern definitiv das Fach gewesen, bei dem ich persönlich am meisten für mein Leben gelernt habe. Auch das Wert darauf gelegt wird, geschichtliche Ereignisse beurteilen zu lernen, finde ich prinzipiell super. Schade ist nur, dass diese Einordnungen so vorgefertigt scheinen.

Auch hat mir gefehlt, dass sich das Fach Geschichte kritischer mit sich selbst auseinandersetzt: Nirgendwo wurde von uns als Abiturienten gefordert, dass wir uns fragen, aus welchem Blickwinkel Ereignis xy betrachtet wurde. Dass es überhaupt immer subjektive Blickwinkel der Betrachtung sind, dass unser Wissen stets fragmentiert und bruchstückhaft ist, dass wir auch nie das gesamte Entstehungsgefüge erfassen können, sondern uns das sinnhaft zurechtlegen und nur zu erfassen versuchen. Auch dass zum Beispiel die asiatische Geschichte im Lehrplan kaum vorkommt und wir alle Ereignisse aus „westlicher Sicht“ interpretieren, ist etwas, das wenigstens am Ende der Lehrbücher mal erwähnt werden und eine Rolle spielen sollte. Finde ich jedenfalls.

Davon war ich sehr enttäuscht. Es ging nicht um: „Auf Grundlage folgender Analyse zieht der/die Schüler/in X aus diesem und jenem folgende Schlüsse“, gerne in Verbindung mit der Frage: „Wie könnte man das auch noch anders sehen?“ Oder: „Wer sieht das anders und wie?“
Sondern beim Abitur ging es eigentlich nur um: „Kannst du bitte wiederkäuen, wie das Lehrbuch dies einordnet / beurteilt?“ Das fühlte sich beim Lernen öfter nach Brainwashing an. Ich wünsche mir, dass es in der Schule der Zukunft mehr darum geht, sich noch reflexiver mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen – und dabei stets berücksichtigt, mit „welcher Brille“ wir das jeweils tun und was wir bei dieser Betrachtung gerade nicht berücksichtigen.

Meine Erfahrungen im Fach Englisch

Englisch zu verstehen, war bereits vor der Abi-Zeit kein Problem für mich, das Sprechen übte ich die gesamte Zeit bis zu den schriftlichen Abi-Prüfungen immer wieder – bei Monologen, in denen ich mir etwas über ein bestimmtes Thema erzählte, in schriftlichen Aufsätzen oder beim Schwatz mit Freunden. Da das englische Abitur auch seine Themenschwerpunkte hat, ist es sinnvoll, gezielt über diese reden und schreiben zu lernen sowie sich die entsprechenden Vokabeln anzusehen. Denn im Prinzip ist es vor allem das, was in beiden Englisch-Prüfungen abgeklopft wird: Ob man sich flüssig und korrekt ausdrücken kann. Inhaltlich kommt dann noch etwas Wissen über die amerikanische und britische Geschichte hinzu, das allgemeine Know-How darüber, wie man Operatoren wie „Erläutere“ oder „Charakterisiere“ bearbeitet und die eigenständige Auseinandersetzung mit den Schwerpunktthemen.

Das inhaltliche Wissen war im Vergleich zu den Fächern Deutsch oder Geschichte zwar überschaubar, aber trotzdem nicht zu unterschätzen. Für die schriftliche Prüfung bereitete ich mich mit einem Büchlein vor, in dem alte Abituraufgaben und mögliche Aufgaben zu den Schwerpunkten 2018 vertreten waren plus Lösungsvorschläge. Diese Lösungen waren Gold wert. Nicht nur weil man inhaltlich Argumente für die Composition-Aufgabe des schriftlichen Abiturs dazu gewann, sondern auch ein besseres Gefühl dafür, „was die von einem wollen“.

Das Schwerpunktthema 2018 war „Challenges and Choices in an Insecure World (Fokus USA)“ sowie das Buch „Half Broke Horses“ und der Film „Crash“. Für die mündliche Prüfung musste ich zusätzlich 3 Wahllektüren vorweisen, die ich vorstellen und zu der ich Fragen beantworten können musste. Man könnte nun voreilig denken: Cool, Film, viel einfacher! Aber das war leider gar nicht der Fall. Der Film Crash ist vollgestopft mit verschiedenen Figuren und deren persönlichen Geschichten, die meistens etwas mit Rassismus oder Waffeneinsatz (oder beidem) zu tun haben. Für die schriftliche Prüfung musste ich die Namen und Stories all dieser Figuren wissen, um mögliche Fragestellungen dazu beantworten zu können, die sich meist an der Figur aufhängen, um dann mit dem Schwerpunktthema in Verbindung gebracht werden.

Die schriftliche Prüfung bestand ich mit 9 Punkten, das war – wie alle schriftlichen Prüfungen – etwas enttäuschend für mich und ich hätte gerne im Nachhinein noch mal über die Korrekturen geschaut, um das nachzuvollziehen. Eine solche Einsicht der Abiturklausuren wäre aber erst ein Jahr später möglich gewesen … und zu dem Zeitpunkt interessierte es mich dann nicht mehr so brennend. Falls ich nicht unwissentlich doch sprachlich versagt habe, vermute ich, dass ich mich inhaltlich noch tiefer mit dem Stoff hätte beschäftigen müssen, um mehr Punkte zu sammeln.

Mündliches Englisch-Abi

Den Wortschatz nicht irgendwelchen, sondern mit relevanten Vokabeln aufpeppen.

Vor der mündlichen Prüfung übte ich darum gezielt noch einmal das Sprechen über Themen wie Gun Law, the American Dream, meine Wahllektüren und amerikanische wie britische Geschichte (Letztere stellte sich als überflüssig heraus). Ich hatte Karteikarten vorbereitet, mit denen ich dann laut vor mich hinbrabbelnd durch den Wald spazierte und mir Mühe gab, zusammenhängende Sätze zu bilden. Denn in der mündlichen Prüfung musste man vor allem eines: sprechen können.

Die Aufgabe während der 30 minütigen Vorbereitungszeit war ein Text zu Gun Laws, den ich vorstellte und über Pro und Contra einer möglichen Einschränkung diskutierte (hier zeigt sich, wie wichtig es ist, dass man sich vorher damit beschäftigt hat, um seine Argumente dann nur schnell strukturieren zu müssen). Die Lehrer in der Prüfung waren sehr freundlich und im Gespräch stellten sie mir nur simple Fragen, die Animal Farm und The Great Gatsby betrafen (beides Wahllektüre). Ich sollte Figuren charakterisieren und über den Inhalt sprechen. Zuletzt kam eine Frage zum American Dream.

Da ich mich vor komplexeren Anschlussfragen fürchtete, redete ich zu jeder Frage so viel wie nur irgend möglich. Man merkte den Lehrern an, dass sie dankbar darüber waren und sie ließen mich einfach solange reden, bis nichts mehr kam. Die Englischlehrerin der Schule, an der ich das externe Abitur ablegte, hatte mir vorher noch den Tipp gegeben, über jedes Thema eine kleine Rede vorzubereiten. Das hat mir die mündliche Prüfung sehr erleichtert – ich konnte einfach herunter erzählen, was ich bei meinen Waldspaziergängen gelernt hatte. Die Strategie ging auf: Ich erreichte eine Punktzahl von 11.

Mein Englisch-Abi Fazit

Schaue englische Serien und fertig. Quatsch. Nein, und jetzt ehrlich: Schaue englische Serien. Nichts hat mein Verständnis und meinen Wortschatz so sehr verbessert, als Filme in englischer Sprache mit englischen Untertiteln anzusehen. Leider verbessert das die Flüssig-Englisch-Sprech-Fähigkeit nur mäßig: Etwas zu verstehen aktiviert im Gehirn andere Areale, als etwas selbständig wiederzugeben. Für das Sprechen war es deshalb dringend nötig, das immer wieder zu trainieren.

Hauptfächer abgehakt!

externes Abitur Baum
Nach 8 Prüfungen in 4 Fächern war ich erst mal platt. Kraftsasmmeln aufm Baum.

Wow – geschafft! Ich hatte 8 Prüfungen in 4 Fächern mit einem hohen Leistungsanspruch erfolgreich bestanden. Doch damit war die Nichtschülerprüfung noch längst nicht durchgestanden. Die Hälfte der Fächer fehlte nämlich noch: Latein, Gemeinschaftskunde, Biologie und Erdkunde / Geografie. Und weil dieser Bericht schon wieder so unglaublich lang geworden ist, geht es hier mit Teil 4 weiter: Meine Erfahrungen in den Nebenfächern.

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