Mein Weg zum externen Abitur – Teil 5

Wie habe ich es geschafft, die krasse Allein-Abi-Zeit durchzustehen? Welche Geheimtricks haben mir bei der Nichtschülerprüfung geholfen? Im letzten Teil meines Abi-Berichts möchte ich mit dir teilen, wie ich mein Selbststudium und die Externenprüfung des Abiturs überlebt habe.


Mein Fazit zur Nichtschülerprüfung

Was ich vorher total unterschätzt habe: meine Nerven. Sowohl vor den schriftlichen als auch ein paar Tage vor den mündlichen Abitur-Prüfungen überkam mich ein Ich-schaff-das-niemals-Heulanfall und das Gefühl absoluter Verzweiflung: Was hatte ich mir nur dabei gedacht, mich zu etwas anzumelden, wovon ich keine Ahnung habe?!?! Trotzdem bin ich zu insgesamt 12 Prüfungen aufgetaucht und habe mich der Herausforderung gestellt. Und zwar so:

„Being strong feels exactly the same as being weak.
The difference is: You donʼt quit.“

Dieses Zitat aus einem Lied von Chase & Status begleitete mich kontinuierlich durch die Abi-Vorbereitungszeit. Immerhin war ich 8 Jahre lang aus der Schule draußen und hatte erstens überhaupt keinen Bezug mehr zum Stoff sowie zweitens im Angesicht der schieren Masse an Themen regelmäßig das Gefühl zu ersticken:

Nerven einsammeln und dann weiterlernen.

Da sitze ich und verlange mir stundenlang alle Konzentration und Geduld ab, um herauszufinden, wie ich eine Ebenengleichung von Parameterform in Koordinatenform bringe – und habe doch im Hinterkopf, dass das nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Ein wichtiger Tropfen, weil alle Tropfen wichtig sind, aber eben nur ein Tropfen und wie soll ich alle diese abertausend Tropfen rechtzeitig kapieren, bevor Prüfungen sind und AAAAHHHH.

Und in genau solchen Momenten rief ich mir das obige Zitat in den Kopf: Jemand starkes fühlt sich nicht besser als ich. Er fühlt sich wie ich – und macht weiter. Ich muss oder sollte mich also gar nicht anders fühlen, sondern brauchte nur weiterzulernen. Mehr nicht. Ich musste nicht wissen, wie ich die Prüfungen schaffe. Nur weiterlernen. Ich musste jetzt nicht wissen oder kapieren, was eine e-Funktion oder ein Integral ist, was 1845 geschah oder warum Danton stirbt, was Lamarck von Darwin unterscheidet, was ein Schwellenland oder Genexpression ist, was Bismarck getrieben hat, welche Art der Stimmenmehrheit es für eine Bürgermeisterwahl braucht oder worum es in Gatsby geht. NEIN. Ich musste nur. Hier. Jetzt. Diese. Eine. Sache. Weiterlernen. SCHAFFST DU DAS, JANINA? … Ja, ich schaffte das. Manchmal. Jedenfalls wurde es zu einer Schlüsselfähigkeit, meine anderen Gedanken, Ängste und alles andere aus meinem Kopf auszusperren und mich einfach nur auf diese eine Aufgabe direkt vor mir zu konzentrieren – welcher von den beiden war nun gleich der Richtungsvektor?

Den Fokus zu halten anstatt geistig einfach durchzuknallen, war vielleicht die größere Herausforderung als der Stoff selbst. Aber: Wenn Stärke und Schwäche sich gleich anfühlen, muss ich ja nichts weiter tun als nur immer weiterzulernen …

Be not afraid: Itʼs just a game“

Das zweite Songzitat, diesmal von Robert Delong, das mich vor allem durch die Prüfungen trug. Nach dem emotionalen Downer der schriftlichen Prüfungsergebnisse betrachtete ich die mündlichen Prüfungen als Spiel. Ein Spiel, bei dem es einfach nur darum geht, möglichst viele Punkte zu sammeln. Die mündlichen Prüfungen des externen Abiturs sind genau dazu da: So viel Stoff der Oberstufe wie möglich abfragen, damit ich die Chance bekomme, so viele Punkte wie möglich zu machen. So nahm ich die Prüfer*innen auch nicht als Gegner, sondern als Teammitglieder wahr: Sie gaben mir Gelegenheit dazu, so viele Punkte wie möglich zu sammeln, indem sie so viel wie möglich fragen, damit ich so viel wie möglich antworten kann. Diese Perspektive war für mich einladend und ermutigend.

Mundwinkel hoch – wir spielen doch nur 😉

Sowieso: Wenn ich nicht mit dem Mindset „Das ist alles nur ein Spiel“ an die Schulfremdenprüfung herangegangen wäre, dann hätte ich sie vermutlich nicht bestanden. Denn der Gedanke erlaubte mir, diese Herausforderung überhaupt anzunehmen.

In Kontakt mit den Lehrer*innen

Die Lehrer*innen an dem Gymnasium waren sehr freundlich. Sie waren allesamt „auf unserer Seite“ und gaben sich Mühe, die Prüfung gemeinsam mit uns zu gut durchzustehen. Man spürte ihr Wohlwollen und sogar ihren Respekt für unsere Leistung. Was ich aus meiner jetzigen Draufsicht viel zu wenig nutzte, war selbständig mit den Lehrer*innen in Kontakt zu treten, um mit ihnen über den genauen Ablauf der mündlichen Prüfungen zu sprechen. Da jede*r Lehrer*in letztlich doch eigene Schwerpunkte setzt, wäre das sicher hilfreich gewesen, um den Stoff noch mehr einzugrenzen und wertvolle Tipps zu erhalten.

Im Nachhinein habe ich mir im Vorhinein auch bei den Nebenfächern zu viel Stress gemacht. Sie sind deutlich weniger anspruchsvoll. Deshalb freue ich mich auch, dass ich hier im Endeffekt überall höher punkten konnte als in den Hauptfächern. Wer seinen Notenschnitt nach den Prüfungen in den Hauptfächern so wie ich also noch heben will, dem sei angeraten, die letzten Wochen vor den mündlichen Prüfungen ein weiteres Mal Vollgas zu geben. Denn die Nebenfächer lassen sich auch deutlich einfacher selbständig erarbeiten.

Lerne immer und überall – außer wenn du Pause machst

Ohne Pausen kein effektives Lernen

Und wirklich: Mache Pausen! Ich habe öfter über den „klugen Punkt“ hinaus gelernt – der Punkt, an dem du merkst, dass du einfach nicht mehr aufnahmefähig bist. Das Zeug bleibt dann sowieso nicht mehr hängen und man ist viel schneller frustriert, wenn man es nicht gleich rafft. Also lieber zwischendrin viele Pausen einplanen, in denen du auch wirklich was Cooles machst. Ich hatte am Tag vor meiner schriftlichen Deutschprüfung sogar noch ein zweites Date … Das radierte sehr effektiv jeden Prüfungsgedanken aus meinem Hirn. Und nichts entspannt mehr als Küssen auf einer Frühlingswiese. Ähm ja.

Aber weiter im Text: Wenn du also nicht gerade Pause machst, lerne. Einfaches Prinzip, was? Ich lernte zum Beispiel sehr viel beim Spazierengehen (Karteikarten und Zeug im Kopf frei aufsagen) sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln – wenn ich gerade auf dem Weg zur Tanzparty oder zum Eislaufen war (Coole Sachen machen zwischendurch, du weißt schon 😀 Wie wirst du sonst die Motivation aufbringen, mehrere Monate das Lernen durchzuhalten?). Immer wieder hielt ich mich selbst bei der Stange, indem ich als Belohnung fürs Lernen irgendwas Schönes machte, Freunde traf, tanzen ging, whatever.

Wie Begeisterung dir den Arsch rettet

externes Abitur Prüfungen Mut
Du bist nicht mutig? Ich auch nicht. Aber ich tu einfach so.

Das Gute (aus meiner Sicht) an den mündlichen Abiturprüfungen ist, dass du eben nicht nur mit inhaltlichem Wissen punktest, sondern auch durch dein Auftreten. In den Minuten vor der Prüfung habe ich Self-Pepptalk, motivierende Musik und Körperübungen dazu genutzt, um mich innerlich vorzubereiten. Mit Sia und Kid Simius im Ohr bin ich durch das Klassenzimmer getanzt und habe mir vorgestellt, wie ich gleich überglücklich und mit 15 Punkten aus der nächsten Prüfung komme (zu denen es nirgends ganz gereicht hat, löl).

Angemessene Klamotten, ein Strahlen und vorgespieltes Selbstbewusstsein begleiteten mich in die Prüfung: Lehrer*innen sind auch nur Menschen, die von äußeren Merkmalen beeinflusst werden, ob sie wollen oder nicht. Und ich selbst natürlich auch – weswegen all diese Maßnahmen auch zur Selbstüberzeugung dienten.

Was Mietze und Epikur gemeinsam haben: Sie lenken mich von dem ab, was ich eigentlich vorhatte.

Gerade in Latein holte ich meine 13 Punkte, indem ich eine kick-ass Präsentation hinlegte, die ich voller Begeisterung vortrug. Ich lache innerlich immer noch, wenn ich mich erinnere, wie ich so leidenschaftlich meine lateinische Textstelle vortrug, als hätte ich nie in meinem Leben etwas Vollendeteres als diese Worte gehört … und mir in Wahrheit keine unnötigere Sprache zum Lernen vorstellen kann. Meine Präsentation war auf jeden Fall enorm (!) viel besser als mein tatsächlicher Wissensstand. Ich wusste nicht einmal, wie man das Verb „sein“ konjugiert (was mich vermutlich auch mindestens einen Punkt kostete, na ja).

Tatsächlich wurde mir hinterher Originalität und Enthusiasmus von den Prüfer*innen ausdrücklich hoch angerechnet – immerhin begann meine Präsi mit dem Aufhänger: „Was Epikur und meine Katze gemeinsam haben“.
Merke 1: Katzen und Begeisterung ziehen immer 😉
Merke 2: Wenn du keine Ahnung hast, ist es umso wichtiger, dass du wenigstens begeistert bist.

Bereue ich meinen Schulabbruch?

Nach meinem Abi‑Marathon stellt sich noch eine letzte Frage: Bereue ich, dass ich die Schule abgebrochen und das Abitur selbständig nachgeholt habe?
Einfache Antwort: Auf gar keinen Fall.
Das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Natürlich wurde der Prozess dadurch komplizierter, teurer und aufwendiger. Das war übrigens auch das Totschlag‑Argument der meisten Leute, die mich damals vom Schulabbruch abhalten wollten.

Aber: Für mich wurde das externe Abitur so, so, so viel bereichernder und auch lehrreicher als hätte ich es damals als Schülerin gemacht. Denn damals empfand ich die Schule als große Belastung, während es nun ein selbstgewähltes Abenteuer war, dessen Rahmenbedingungen ich selbst bestimmen konnte.

Ein Gefühl für …

Abi-Erfolg bei der Schulfremdenprüfung
Der Abi-Erfolg war für mich mehr als nur ein paar Noten.

Das Anstrengendste des externen Abiturs war im Endeffekt, detailliert herauszufinden, was drankommt und mich exakt darauf vorzubereiten. Das ist eine Menge Detektiv-Arbeit, die sich der normale Schüler erspart. Aber mich selbständig mit dem Stoff auseinandersetzen zu dürfen, war ein Segen – nie und nimmer hätte ich als 17-jährige diesen ganzen Kram so aufmerksam und eigenmotiviert gelernt. Allein inhaltlich habe ich mir sehr viel Allgemeinwissen angeeignet, das ich im Detail zwar nicht mehr abrufen kann, aber wovon das Gröbste beziehungsweise Wichtigste noch da ist. Ich könnte jetzt nach drei Jahren zwar aus dem Stegreif keine Kurvendiskussion mehr durchrechnen, aber dafür habe ich ein Gefühl dafür, wie mathematisches Denken funktioniert. Ich kann zwar nicht mehr alle Maßnahmen der Nazis chronologisch mit Daten oder jeden wichtigen Akteur der Weimarer Republik auswendig aufzählen – aber ich habe ein Gefühl für die Zusammenhänge der (deutschen) Geschichte gewonnen, das mir jetzt hilft, mich mit der gegenwärtigen politischen Situation reflektierter auseinanderzusetzen. Ich kann nicht mehr alle Schritte der Signalübertragung zwischen Nervenzellen aufsagen – aber ich habe ein Gefühl dafür, wie Zigaretten oder Alkohol diesen Prozess schädigen.

Und so zieht sich das auch durch die anderen Fächer – die Details verschwimmen, die Essenz bleibt. Und noch viel wichtiger: Es bleibt vor allem das, was ich über mich gelernt habe. Dass ich zum Beispiel die Fähigkeit besitze, mich zu motivieren und an etwas dranzubleiben, mutig zu sein und mir neue Inhalte selbständig aneigenen kann. Dass ich manchmal fünfmal am Tag aufgebe und dann trotzdem weitermache. Dass es dennoch keine Allein-Leistung ist, sondern ich von so vielen Menschen unterstützt wurde. Und natürlich, dass sich mein Motto bewahrheitet hat: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Und du so?

Wenn du gerade überlegst, ob du die Nichtschülerprüfung angehen möchtest oder dich bereits angemeldet hast, dann hoffe ich von Herzen, dass mein Erfahrungsbericht dich gestärkt hat. Aber beachte: Dieser Bericht ist über die Schulfremdenprüfung in Baden-Württemberg. Falls du in einem anderen Bundesland wohnst, könnten die Inhalte und Anforderungen bei dir anders geregelt sein.

Und ja, wenn man meinen Bericht am Stück durchliest, könnte man vielleicht erst mal erschrecken angesichts der schieren Menge an Stoff. Aber ich möchte dir Mut machen: Du musst das nicht alles auf einmal wissen, sondern nacheinander. Zwischen vielen Prüfungen ist genügend Zeit, geistig auf das nächste Fach „umzuswitchen“. Und wenn ich das schaffe, dann schaffst du das auch.

13 Gedanken zu „Mein Weg zum externen Abitur – Teil 5

  1. Wow. *herzchenaugen smiley* Ich habe mich auch für das externe Abitur nun angeldet bei einer Fernschule und ich höre überall nur menschen die sagen was? Das schaffst du nicht in einem Jahr (PS: nebenbei geh ich noch in die Berufsschule). Ich hab jetzt ein Jahr und 1-2 Monate Zeit um das zu lernen nur meine beste Freundin glaubt an mich und ich finde es so toll endlich mal einen Bericht zu hören der mir sagt ich kann das auch in einem Jahr schaffen. Danke für den Mut den du schenkst. Ich hab mir vor 2 Tagen stundenlang lernpläne für meinen Tagesablauf gemacht, hab meinen Terminkalender fast schon auseinander genommen um zu sehen wo ich in der Woche nicht doch noch eine Stunde abknöpfen kann. Insgesamt bin ich auf 27 Stunden Zeit gekommen die ich mir frei Schaufel (meine Freizeit is da schon weg gerechnet) und wenn es brenzlig wird hab ich sogar freizeit die ich noch nutzen kann zum lernen. Ich bin so froh, dass es mal jemanden gibt der auch sagt in 1 JAhr ist es mögich.
    Jetzt geh ich erstmal Mathe und Bio der 10. Klasse wiederholen und schreibe einen weiteren Merkeintrag über interpretation von Kurzgeschichten um am Montag gleich aufgefrischt starten zu können.

    1. Hallo Natalie,
      das klingt doch super!! Und für mich war es damals sehr wertvoll, dass es auch Menschen gab, die an mich und das Vorhaben geglaubt haben. Mehr als 27 Wochenstunden habe ich selbst rückblickend auch nicht investiert! Nur kurz vor dem Abi und zwischen den schriftlichen & mündlichen Prüfungen war es intensiver. Mir hat es auch sehr geholfen, dass ich mir selbst Struktur reingebracht habe, sowohl zeitlich wie auch inhaltlich (dabei gab es dann trotzdem auch einige Prokrastinationszeiten … und es hat dennoch gut geklappt!). Ich wünsche dir auf jeden Fall ganz viel Freude in diesem Jahr. Es ist ein großartiges Abenteuer! Man lernt auch ganz viel über sich selbst und mit sich selbst :-). Und: Du musst nicht alles können und kapieren. Als ich mir das beim Lernen zugestanden habe, dass ich gerade in Mathe manche Aufgaben nicht kapiere und das okay ist, wurde es für mich einfacher – weil ich mich nicht mehr so sehr an dieser einen Sache festgebissen habe, sondern mich wieder aufs Große Ganze konzentriert :-).

  2. Ich bin auch aus Baden-Württemberg. Hab schon ne Weile darüber nachgedacht, werde mich aber nicht anmelden wenn ich nicht weiß wie es dann bis nächsten April mit Impfen, Masken, Testen und co ist. Mit Maske würde das bei mir niemals etwas werden. Gerade in Sachen Englisch, Deutsch, Französisch und Mathe kann ich ja trotzdem schonmal anfangen ein bisschen zu lernen.

    1. Hallo Michelle,
      das kann ich gut nachvollziehen! Genau – informieren geht ja schon vorher 🙂 Und wenn man so in Häppchen lernt und mit weniger zeitlichem Durck ist das ganz sicher auch nicht verkehrt.
      Liebe Grüäße
      Janina

  3. Ich bin froh, deine Geschichte gelesen zu haben. Das hat mich ein wenig motiviert und um ehrlich zu sein, gleichzeitig auch verängstigt und abgeschreckt. Du hast so einen guten Notenschnitt geschafft, obwohl du auf dich alleine gestellt warst, ohne Klasse oder Lehrer. Echt krasse Leistung, Respekt!
    Ich möchte auch mein Abi nachholen. Ich habe derzeit zwei Optionen. Entweder ich mache es durch einen etwas günstigeren Weg, und zwar dass ich mich auf einer Fernschule anmelde und dann die meiste Zeit auf mich alleine gestellt bin, ohne richtige Klasse oder Lehrern. Oder ich mache es durch eine Akademie, wo ich in einer Klasse bin mit Lehrern und dementsprechend mich besser darauf vorbereiten kann, weil man dann nicht alleine ist. Dazu muss man sagen, dass es ein Onlinekurs wäre. Aber dieser Weg ist sehr teuer. Aber mein Gefühl sagt mir, dass es irgendwie besser wäre es so zu machen. Ich möchte es am Ende aber nicht bereuen so viel Geld ausgegeben zu haben, wenn ich es mit dem günstigeren Weg auch geschafft hätte. Ich bin echt überfragt. Mit dem letzteren, würde ich 16 Monate Vorbereitungszeit haben. Ich war nie richtig gut in der Schule und ich hab jetzt schon Angst vor dem Abi. Ich will unbedingt einen Schnitt mit einer eins vor dem Komma, um einen bestimmten Studiengang studieren zu können. Ich weiß, dafür muss man dann auch dementsprechend viel lernen, weil von nichts kommt nichts. Aber dadurch dass man keine Vornoten hat die mit ins Abi gerechnet werden, habe ich umso mehr Angst. Da hast du nur die 4 schriftlichen Hauptfächer und die Nebenfächer. Wenn du da schlecht abschneidest, hast du sozusagen keine Noten die es ausgleichen können.

    1. Hallo Maryam,
      ich freue mich, dass dich meine Geschichte motivieren konnte! Auch ist es ja generell super, dass einem doch mehrere Wege offenstehen, das externe Abitur zu erreichen :-). Ich kann für dich natürlich nicht einschätzen, was die bessere Variante ist. Es klingt für mich jedoch etwas, als würdest du eigentlich die Klasse bevorzugen – und damit „nur“ hadern, weil es deutlich teurer ist. Daher wäre vielleicht eine passendere Frage für dich: Ist es mir das Geld wert, eine für mich besser geeignete Abiturvorbereitung zu erhalten? Es hängt natürlich auch von deiner finanziellen Sitiuation ab, wie viel für dich der Betrag X wert ist (Wer für sich genommen auf eine angenehme Weise an Geld herankommt bzw. es zur Verfügung hat, kann die Frage vermutlich leichter mit ja beantworten).
      Da dir ein bestimmter, sehr guter Notenschnitt wichtig ist, könnte das noch ein Punkt mehr sein, der eher für den teuren Weg spricht und dadurch aber einer, der dir persönlich mehr entspricht.
      Ich kann für mich sagen, dass ich den externen Weg mit Onlinefernkurs genau so gewählt habe, weil ich es liebe, alleine zu lernen, und ein „Klassenlernen“ mit Frontalunterricht für mich tatsächlich super unangenehm gewesen wäre. Daher denke ich schon, dass es bei der Wahl der Lernform sinnvoll ist, einen Weg zu nehmen, der für dich persönlich passt (das Abi allein ist schon Herausforderung genug, da ist es gut, wenn wenigstens die Umstände für einen angenehm sind). Aber so etwas kann man natürlich auch nur in Betracht ziehen, wenn der Geldbeutel passt (für mich war schon der Fernkurs im Kontext meiner Situtation sehr teuer, da ich nur über wenig Einkommen verfügt habe). Eine langfristige Perspektive, die hier auch hilfreich sein könnte, wäre: Wenn ich in 10 Jahren auf diese Zeit zurückbklicke, bin ich dann froh, das Geld in mich selbst investiert zu haben?
      Ich wünsche dir ganz viel Mut und Klarheit, um die für die für dich passende Wahl zu treffen!
      Alles Liebe
      Janina

  4. Hallo liebe Janina!

    Erst einmal, beeindruckend! So eine Leistung in so einem Zeitraum zu liefern ist bemerkenswert. Schade, dass du diesen Erfolg nicht in einem richtigem Abiball feiern konntest. In deinem damaligen Alter solch eine Motivation, Lernbereitschaft sowie den Willen zu besitzen sein Abitur in nur einem Jahr zu vollziehen, gebührt meinen höchsten Respekt.

    Ich bin momentan frische 18 Jahre alt. Habe meine Fachhochschulreife hinter mir und stehe nun vor der Frage, ob ich es selber schaffen würde mein Abi in einem Jahr mit den Externen Prüfungen zu vollenden. Klar, es wird eine Herausforderung, aber ich sehe in mir selbst den Willen, den auch du hattest, es zu schaffen. Mir ist klar, dass es bestimmt Tage geben wird an denen ich diese Motivation in keinerlei Maße spüren werde. Trotzdem wird es für mich ein Full Time Job werden dieses Ziel zu erreichen.

    Ich habe einige Fragen an dich, wenns kein Problem wäre. 🙂

    1. Wie hoch war dein wöchentlicher Zeitaufwand? (Alle Fächer zsm.)
    2. Wurde dir im Onlinefernkurs alles beigebracht und konntest du dort auch Fragen stellen? Oder hast du lediglich die Inhalte bekommen die du dann bearbeiten musstest?
    3. War es sehr Kostspielig? (Bezug zu den Büchern, Onlinekurs)
    4. Würdest du denken das Leute wie mir, welche noch frisch von der Schulbank kommen, es einfacher haben werden?(Fachhochschulreife).
    5. Woher wusstest du genau was in den mündlichen Fächern drankommen wird?

    Bestimmt werden mit der Zeit noch weitere Fragen einfallen, weshalb du dich nicht wundern solltest wenn noch einige auf dich zukommen sollten.

    Dein Werdegang hat mich mehr als nur motiviert aber auch gezeigt, dass man es ernst nehmen sollte.
    Ich wünsche dir alles Gute in deinem jetzigen Studium sowie für deine Zukunft! 🙂

    LG

    1. Hallo Mochtar,

      lieben Dank für deine Kommentar, gerne gehe ich auf deine Fragen ein! Erst mal finde ich deine Motivation super – das ist ein sehr gutes Zeichen, wenn man bereits mit einer solchen inneren Entschlossenheit an die Sache rangeht :-). Ich gehe mal systematisch deine Fragen durch:

      1. Mein wöchentlicher Zeitaufwand lässt sich leider nicht exakt bestimmen, da das doch teilweise sehr unterschiedlich war (ich habe nebenher noch in Teilzeit gearbeitet). In den letzten Wochen vor dem Abi war es mehr, anfangs eher mäßig. Ich habe mir 20 h / Woche vorgenommen, mal habe ich aber mehr, mal weniger Zeit investiert. Hilfreich war für mich der Tipp: Nebenfächer erst relativ spät erarbeiten, vor allem die, bei denen es vor allem um Auswendiglernen geht (Erdkunde, Bio, Politik etc., bei Sprachen sieht das natürlich anders aus). Das habe ich so richtig erst nach den schriftlichen Prüfungen gemacht (denn davor hätte ich eh alle Details wieder vergessen). Das heißt: erst mal volle Konzentration auf die Hauptfächer. Es hieß aber auch: zw. den schriftlichen und mündlichen Prüfungen (8 Wochen Zeitraum) habe ich sehr viel gemacht, da habe ich mich auch teilweise extra Urlaub genommen.

      2. Ich konnte im Fernkurs immer Fragen stellen, das war sehr hilfreich! Gerade in Mathe hatten wir gegen Ende auch noch mal Online-Übungsstunden mit einem Lehrer – das war wirklich extrem hilfreich. Auch einfach das Gefühl, einen Ansprechpartner zu haben. Da schien mir das Zentrum auch sehr kompetent und konnte ganz viel „Insiderwissen“ beisteuern. Inhaltlich habe ich neben dem Fernkurs vor allem auch mit YouTube (z. B. the simple club) gelernt, da es mir geholfen hat, wenn Inhalte unterschiedlich aufgearbeitet wurden. Am hilfreichsten waren im Zentrum jedoch die Probeklausuren!

      3. Im Kurs waren auch die Bücher enthalten, ich habe jedoch auch noch selbst zusätzlich Bücher bestellt. Ich glaube alles in alle habe ich etwa 1500 Euro investiert. Für mich war das damals sehr viel Geld – ich habe es jedoch nicht bereut, da ich das Abitur wohl niemals auf einem normalen/schulischen Weg hätte machen können, weil ich mit dem fremdbestimmten Setting nicht gut klargekommen bin. Der Abschluss hat mir jedoch die Tür zu meinem Studium eröffnet, das ich wirklich sehr sehr toll fand! Auch die Strukturen waren deutlich mehr im Sinne einer Selbstverantwortlichkeit für den eigenen Bildungsprozess organisiert – womit es mir extrem gut ging.

      4. Ich denke auf jeden Fall, dass wenn du motiviert bist, einen Vorteil hast, wenn du direkt von der Schule kommst, ja :-). Ich musste mich nach acht Jahren Pause erst mal wieder in den ganzen grundlegenden Stoff reindenken, den du noch innerlich parat hast und nicht aufarbeiten musst.

      5. Ich wusste es natürlich nicht ganz genau, da nicht aller Stoff abgefragt wird, den man lernen muss/darf. Aber es gibt vom Lehrplan aus, fest umrissene Themengebiete, die drankommen können. Dabei hat der Kurs geholfen, aber auch Lehrpläne und Lehrbücher, die man kaufen kann. Tatsächlich fließt da jedoch viel Zeit rein, in den Abgleich: „Wollen die genau das von mir, wie/was ich gerade lerne? Hab ich was vergessen?“. Vor den mündlichen Prüfungen ist es jedoch auch sinnvoll, die Lehrer noch zu einem Gespräch zu treffen, dabei erfährt man manchmal auch, welches Thema man sich unbedingt noch mal anschauen sollte …^^

      Ich wünsche dir alles alles Gute für deinen Weg!!

      Liebe Grüße
      Janina

  5. Hallo,

    Erstaunlicher Bericht, für mich steht es nächstes Jahr auch an.
    Könntest du mir sagen mit welchen Fernkurs du dich darauf vorbereitet hast bzw. den Namen nennen.

    Alles Gute!

  6. Liebe Janina,
    ich mache gerade auch mein Fernabitur und möchte nächstes Jahr schreiben.
    Jedes Mal wenn ich an mir selbst zweifel les ich mir deinen Bericht durch, dass ich am nächsten Tag wieder starten kann.
    Danke dir dafür

    1. Hallo Clara,

      das ist wirklich eine wunderbare Rückmeldung, ich danke dir! Das freut mich total! Für mich war die psychische Herausforderung tatsächlich die größere – aber auch die, die jetzt fast noch der größere Gewinn ist. Weil ich gelernt hab, meinen Zweifel immer wieder zu tätscheln und zu sagen: „Vielen Dank für deine Einwände, aber jetzt mach mal Platz, ich muss lernen und mache es trotzdem!“ 🙂

      Ich wünsch dir alles Liebe auf deinem Abenteuer!

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